#53 // KW21 // 25.5.2023 // Hohe TransaktionsgebĂŒhren đŸŠâ€â™‚ïžđŸ§™â€â™‚ïžđŸž

Seit einigen Wochen wird viel ĂŒber die stark gestiegenen Transaktionskosten und einen zum Bersten gefĂŒllten Mempool diskutiert. GrundsĂ€tzlich stellt sich die Frage, ob hohe Transaktionskosten ein Problem darstellen. Aber was bedeutet hoch? Waren sie vielleicht bisher zu niedrig?

Block Height 791360 ‱ Price 26.300 USD ‱ Preis 24.450 EUR ‱ WoW -4% ‱ MVRV 1,31 ‱ Market 🐂 ‱ Tage bis Halving 316

// TL;DR

  • Transaktionskosten unterstĂŒtzen das Sicherheitsbudget 👼
  • Eine bessere Infrastruktur wird gebraucht, um den Mempool zu entlasten 🚊
  • Hohe GebĂŒhren bedeuten auch eine HĂŒrde fĂŒr Nutzer//innen đŸ«°

Seit einigen Wochen gibt es im Bitcoin Space ein wichtiges Thema. Es geht um den Preis. Allerdings nicht - wie in Zeiten hoher VolatilitĂ€t ĂŒblich - um den Kurs von Bitcoin, sondern um die hohen TransaktionsgebĂŒhren.

Ausgelöst wurden diese hohen TransaktionsgebĂŒhren durch die "Verstopfung" des Mempools. Die hohe Transaktionsflut wurde hauptsĂ€chlich durch BRC20 Token und Ordinals ausgelöst, welche dazu fĂŒhren, dass generische Transaktionen im Mempool stecken bleiben. Dies lĂ€sst sich durch einen Blick auf die GebĂŒhrenstruktur des Mempools recht leicht identifizieren. Wenn man sich die untere Grafik anschaut, sieht man sehr deutlich, dass die roten und gelben Spitzen Transaktionen mit GebĂŒhren grĂ¶ĂŸer als 100 Sat/vB anzeigen, was auf eine hohe ZeitprĂ€ferenz schließen lĂ€sst. Das wiederum lĂ€sst auf Transaktionen schließen, die möglichst zeitnah umgesetzt werden sollen, um - wie im Falle von Meme-Tokens - einen Profit zu generieren, der diese hohen Transaktionskosten rechtfertigt, oder zumindest ausgleicht.

Das Schreiben von BRC20 Token und das Hochladen von Ordinals (meistens Bilder) direkt in die Bitcoin-Blockchain ist mit recht hoher Sicherheit der Treiber dafĂŒr, dass der Mempool seit einiger Zeit komplett ausgelastet ist (also die 300 MB-Grenze ĂŒbersteigt) und, zum Zeitpunkt des Verfassens, ĂŒber 300.000 Transaktionen darauf warten, in einen Block geschrieben zu werden. Dies entspricht etwa 220 Blöcken, die das Netzwerk produzieren könnte, ohne dass eine einzige weitere Transaktion hinzu kommt. Die große Menge an hochgeladenen Daten hat auch dazu gefĂŒhrt, dass GebĂŒhren zeitweise in den Bereich von ĂŒber 300 sat/vB gehoben wurden.

Die Diskussion, die entstanden ist, befasst sich grundlegend mit der Frage, ob hohe Transaktionen erstmal gut oder schlecht fĂŒr das Bitcoin-Netzwerk sind?

Wie bei vielen Diskussionen sind die Argumente subjektiv und immer aus der Perspektive des Vortragenden zu betrachten, ein Miner findet hohe Transaktionskosten zunĂ€chst mal immer gut, denn es erhöht die Topline. Ein/e freiheitsliebene/r Menschenrechtsaktivist//in, der/die versucht im Globalen SĂŒden mit Hilfe von Bitcoin finanzielle Bildung und Selbstbestimmtheit zu fördern, findet hohe Transaktionskosten mit Sicherheit schlecht.

Security Budget

Hashing schĂŒtzt Bitcoin vor böswilligen Akteuren, die versuchen, eine Transaktion doppelt auszugeben. Damit Bitcoin sicher funktioniert, muss es unmöglich sein, dass jemand den selben bitcoin zweimal ausgibt, was als Double-Spend-Angriff bezeichnet wird. Die erfolgreiche DurchfĂŒhrung eines solchen Angriffs mit einem großen Teil der Hashrate des Netzwerks wĂŒrde den kollektiven Glauben an Bitcoin als unverĂ€nderliches globales Hauptbuch untergraben. Je mehr Hashrate das Bitcoin-Netzwerk insgesamt hat, desto schwieriger wird es fĂŒr jeden Angreifer, es zu untergraben.

Das Sicherheitsbudget von Bitcoin ist von entscheidender Bedeutung, da es die IntegritĂ€t des gesamten Netzwerks gewĂ€hrleistet. Als dezentralisiertes System basiert Bitcoin auf einem konsensbasierten Algorithmus (Proof-of-Work /PoW). PoW erfordert, dass alle Miner im Netzwerk spezielles Mining-Equipment verwenden, dass nur darauf ausgelegt ist, Hashes so schnell wie möglich zu berechnen. Dieses Aufwenden von realen Ressourcen (z. B. Strom, Hardware, OpEx) im Tausch fĂŒr Hashrate hat zwei Effekte: 1) Es werden Transaktionen der Blockchain hinzugefĂŒgt, die auf vorherige Transaktionen aufbauen und somit werden diese vorherigen Blöcke und die darin enthaltenen Transaktionen abgesichert. 2) Erhalten erfolgreiche Miner eine Belohnung (den Blockreward) fĂŒr die getane Arbeit und fĂŒr die aufgewendeten realen Ressourcen. Somit werden neue bitcoins dem Ausgabezeitplan gemĂ€ĂŸ freigelegt und im System verteilt, was (zumindest fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte) einen Anreiz fĂŒr Miner schafft, Energie und Rechenleistung aufzuwenden.

Die Miner spielen also die zentrale Rolle bei der Sicherung des Bitcoin-Netzwerks, um es vor potenziellen Angriffen zu schĂŒtzen. In den Anfangsjahren von Bitcoin (also auch heute noch) wird dieses Sicherheitsbudget zu einem großen Teil durch die Blockbelohnung, spezieller durch die Subsidy, finanziert. Doch durch den kontrollierten Ausgabezeitplan wird auch der Halbierungszyklus (das Halving) festgelegt. Damit halbiert sich die Subsidy in jeder Epoche und der finanzielle Anreiz, den Miner aus dem Produzieren von Blöcken ziehen, verlagert sich mehr und mehr zu den Transaktionskosten, dem zweiten Bestandteil der Subsidy.

Das Netzwerk zu schĂŒtzen bedeutet also einen Anreiz zu schaffen, einen Angriff immer weitaus weniger profitabler zu machen, als was der Angreifer durch ehrliches Verhalten mit seinem Mining-Equipment verdienen könnte. Bei einer sogenannten "51%-Attacke", bei der ein einzelner Miner oder eine Gruppe von Minern ĂŒber 50% der Rechenleistung des Netzwerks kontrolliert, könnte das Netzwerk manipuliert und Transaktionen rĂŒckgĂ€ngig gemacht oder doppelt ausgegeben werden. Warum dies viel schwieriger ist, als es sich anhört und was die weiteren Implikationen darstellen, bietet genug Stoff fĂŒr einen eigenen Artikel. Allerdings ist wichtig festzuhalten, dass das Risiko dennoch gemindert werden muss und deshalb ist es wichtig, dass das Sicherheitsbudget kontinuierlich ausreichend hoch ist.

Der Kapitalbetrag, den Miner gemeinsam investieren können, ohne Geld zu verlieren, bildet das Sicherheitsbudget von Bitcoin. Oder anders ausgedrĂŒckt, der Betrag, den Miner vernĂŒnftigerweise investieren wollen, entspricht dem möglichen Einnahmen durch das Produzieren gĂŒltiger Blöcke. Wie wir jetzt wissen, bestehen diese Einnahmen primĂ€r aus zwei Komponenten: der Subsidy fĂŒr jeden erfolgreich produzierten Block und den TransaktionsgebĂŒhren innerhalb dieser Blöcke. Hohe Transaktionskosten bedeuten also automatisch ein höheres Sicherheitsbudget fĂŒr das Bitcoin-Netzwerk. Hohe GebĂŒhren unterstĂŒtzen also das langfristige Sicherheitsmodell von Bitcoin.

Stresstest und Infrastrukturausbau

Der Markt lernt eine sehr wertvolle Lektion ĂŒber die Grenzen von Bitcoin, wo sie bestehen, wie der Markt reagiert, wenn sie erreicht werden, und was mit der Gesundheit des Netzwerks passiert. Diese Lektionen sind wichtige Lektionen, die es zu lernen gilt. Bitcoins TransaktionsgebĂŒhren haben schon einmal einen rasanten Anstieg erlebt. Damals fĂŒhrte die daraus entstandene Debatte zu den sogenannten Blocksize Wars.

Dabei geht es um eine kontroverse Debatte innerhalb der Bitcoin-Community ĂŒber die angemessene GrĂ¶ĂŸe eines Blocks. Im Code festgelegt war eine BlockgrĂ¶ĂŸenbeschrĂ€nkung von 1 MB festgelegt. Dieses Limit sollte Spam und mögliche NetzwerkĂŒberlastungen verhindern. Doch mit zunehmender Beliebtheit von Bitcoin und dem steigenden Gebrauch kamen Bedenken hinsichtlich seiner Skalierbarkeit auf. Durch eine begrenzte BlockgrĂ¶ĂŸe war die Anzahl der Transaktionen, die pro Sekunde verarbeitet werden konnten, begrenzt, was zu langsameren TransaktionsbestĂ€tigungszeiten und höheren GebĂŒhren in Spitzenzeiten fĂŒhrte. So entstanden zwei HauptvorschlĂ€ge, um das Problem der Skalierbarkeit anzugehen. Der erste Vorschlag bestand darin, die BlockgrĂ¶ĂŸenbeschrĂ€nkung zu erhöhen, um die Aufnahme von mehr Transaktionen in jeden Block zu ermöglichen. Der zweite Vorschlag, bekannt als Segregated Witness (SegWit), zielte darauf ab, die Nutzung des Blockraums durch die Trennung von Transaktionssignaturen von den Transaktionsdaten zu optimieren.

Die Debatte ĂŒber die BlockgrĂ¶ĂŸe fĂŒhrte schließlich im August 2017 zur Hard Fork von Bitcoin, was zur Schaffung von Bitcoin Cash (BCH) fĂŒhrte, wodurch die BlockgrĂ¶ĂŸe auf 8 MB erhöht wurde. Im Laufe der Zeit erhielten bei Bitcoin verschiedene Skalierungslösungen Einzug, die die Limitierung der BlockgrĂ¶ĂŸe anders umgehen, darunter darunter auch SegWit, aber auch das Lightning Netzwerk (Layer-2-Skalierungslösung) und Verbesserungen der Transaktions-Batching- und GebĂŒhrenschĂ€tzungsalgorithmen.

Ein begrenzter Transaktionsdurchsatz auf der Blockchain stellt sicher, dass Bitcoin dezentral bleiben kann, indem die BlockgrĂ¶ĂŸe und damit die Blockchain relativ klein gehalten werden und die Bandbreitenanforderungen niedrig genug gehalten werden, sodass der Betrieb eines Netzwerk-Knotens im Bitcoin-Netzwerk fĂŒr Personen ohne leistungsstarke Computer und Internetgeschwindigkeiten zugĂ€nglich bleibt. Es ist unwahrscheinlich, dass der Transaktionsdurchsatz auf der Layer-1-Chain in absehbarer Zeit wesentlich ansteigt. Wenn Bitcoin mehr Verbreitung finden wĂŒrde, wĂŒrden mehr Benutzer um den begrenzten Blockplatz konkurrieren und die TransaktionsgebĂŒhren wĂŒrden steigen. Es gibt jedoch eine Grenze dafĂŒr, wie viel eine Person bereit ist, fĂŒr eine Transaktion zu zahlen, bevor sie zu einer anderen Lösung wechselt, die gĂŒnstiger ist, aber dennoch ihre BedĂŒrfnisse erfĂŒllt.

Ähnlich wie damals fĂŒhrt auch heute der Stresstest dazu, dass neue Lösungen er- und alte Lösungen ĂŒberdacht werden. Das ist fĂŒr Bitcoin ein Nettopositiv.

Marktdynamik

TransaktionsgebĂŒhren begrenzen den Netzwerkmissbrauch, indem sie die Nutzung verteuern. FĂŒr jede Transaktion fallen Kosten an, die von einem dynamischen freien Markt festgelegt werden, der auf der Nachfrage nach knappem Blockplatz basiert. Es ist eine unglaublich robuste Möglichkeit, Spam zu verhindern, ohne auf zentralisierte Einheiten angewiesen zu sein, die beschĂ€digt oder unter Druck gesetzt werden können.

Dabei werden auch unehrliche und dem Netzwerk unwohl gesinnte Marktteilnehmer aufgespĂŒrt, denn BetrĂŒgereien (*hust* BRC20 Token *hust*) werden als nur Profit bringend und irrefĂŒhrend enttarnt. Dies kann an den hohen Kosten aufgezeigt werden, die diese Gruppen bereit sind fĂŒr ihre Spielchen zu zahlen. WĂ€ren sie wirklich an Innovation und Technologie-Entwicklung interessiert, könnten sie auch problemlos das viel effizientere RGB-Protokoll oder die Liquid-Sidechain verwenden.

Aber auch andere GeschĂ€ftsmodelle und Entscheidungen werden auf den PrĂŒfstand gestellt.

Muun Wallet Is Experiencing Issues As High Fees Continue
Growing demand for Bitcoin blockspace is having different effects on existing services, miners, and users.

Denn wie wir wissen, ist die Muun-Wallet dafĂŒr bekannt, eigentlich keine "echte" Lightning-Wallet zu sein, da alle Guthaben On-Chain in der Blockchain verwaltet werden. Die Muun-Wallet verwendet Submarine Swaps fĂŒr Lightning-Zahlungen, was bedeutet, dass jedes Mal, wenn gesendet oder empfangen wird, eine On-Chain-Transaktion durchgefĂŒhrt werden muss und somit auch On-Chain-TranskaktionsgebĂŒhren anfallen. Diese Entscheidung, keine "echte" Layer-2 Lösung zu entwickeln, entpuppt sich jetzt scheinbar als schwerwiegend.

Doch die Wahrheit ist auch, dass wir nie vollstĂ€ndig vorbereitet sein werden – es ist Druck erforderlich, um Schwachstellen aufzuzeigen und starke Anreize zu ihrer Beseitigung zu schaffen.

Nachteile

Es ist wichtig zu beachten, dass hohe GebĂŒhren zwar diese positiven Auswirkungen haben können, ĂŒbermĂ€ĂŸig hohe GebĂŒhren oder GebĂŒhrenspitzen jedoch auch zu einer suboptimalen Benutzererfahrung fĂŒhren können, insbesondere bei kleineren Transaktionen. Dies kann die allgemeine ZugĂ€nglichkeit und Nutzung von Bitcoin beeintrĂ€chtigen, insbesondere fĂŒr Menschen mit niedrigem Einkommen oder in EntwicklungslĂ€ndern.

Auch können hohe TransaktionsgebĂŒhren eine HĂŒrde fĂŒr neue Benutzer//innen darstellen, die das Bitcoin-Netzwerk erkunden möchten. Wenn die GebĂŒhren hoch sind, könnten potenzielle Nutzer//innen von der Nutzung abgeschreckt werden. Auch die Ungleichheit zwischen Nutzer//innen kann beeintrĂ€htigt werden. Da es dazu fĂŒhren kann, dass wohlhabendere Nutzer//innen bevorzugt werden, da sie die finanziellen Ressourcen haben, um höhere GebĂŒhren zu zahlen.

Es bleibt eine stĂ€ndige Herausforderung, die GebĂŒhrenhöhe so auszubalancieren, dass sowohl die Netzwerksicherheit als auch die ZugĂ€nglichkeit berĂŒcksichtigt werden. Und gleichermaßen sollten sich alle darauf einstellen, dass der oben erwĂ€hnte begrenzte Transaktionsdurchsatz auf der Layer-1-Chain dazu fĂŒhren wird, dass bei einer steigenden Adaption von Bitcoin auch ganz automatisch die TransaktionsgebĂŒhren steigen mĂŒssen, sollte es nicht gelingen mit Hilfe von weiteren Skalierungsmethoden den Druck abzulassen.



// News

Tether haben angekĂŒndigt fortlaufend 15 % ihres Betriebsgewinns in Bitcoin zu investieren. Das sind wichtige Nachrichten, da dies einen stĂ€ndigen Kaufdruck von mehreren zehn Millionen Dollar pro Monat bedeutet.


// Candy


Maßgeschneidert und individuell, die passende Infrastruktur fĂŒr dein Unternehmen. Ob Kiosk, Restaurant, Online-Shop oder als Reisender ohne Internet. Finde deine Lösung auf business-bitcoin.de
Sweater, T-Shirts, Jacken, MĂŒtzen und vieles mehr von der wildesten Bitcoin-Fashion-Brand direkt aus Frankfurt auf bitcoin-rebel.com

Willing ist der Boss!

In diesem Sinne, 2... 1... Risiko!‌

Sven