#21 // KW40 // 6.10.2022 // Bitcoin in der deutschen Politik đŸ—łïž

BeschĂ€ftigt sich die deutsche Politik mit Bitcoin? Es ist nicht leicht, diese Frage mit ja oder nein zu beantworten. Mit Hilfe von Regierungsprogrammen der großen Parteien, des Koalitionsvertrags der Regierung und der Strategiepapiere der Superministerien wollen wir uns einen Überblick verschaffen.

Block Height 757400 ‱ Price 20.125 USD ‱ Preis 20.355 EUR ‱ WoW 3.9% ‱ MVRV 0,95 ‱ Market đŸ»đŸ»đŸ»

// Today's Menu 📜

  • Bitcoin ist keine KryptowĂ€hrung đŸ”«
  • Parteien, Politiker und Regierungen wissen nicht viel ĂŒber Bitcoin 🙀
  • Die GrĂŒnen đŸ€ą

// Starter 🍾

Politik, Politik, Politik. Wenn ich morgens die Kaffeemaschine anschmeiße und Google anweise das Radio anzumachen, höre ich als erstes die Nachrichten. In letzter Zeit ist immer nur von Politik die Rede, Robert H. tut dies, Christian L. tut jenes, Olaf S. tut wie immer nichts đŸ‘»Deshalb habe ich mich gefragt, wie es mit unserem Lieblingsthema  - warum sonst lest ihr diesen Beitrag? - bei unseren Lieblingsvolksvertretern aussieht, wenn sie nicht gerade damit beschĂ€ftigt sind, irgendetwas zu tun, das den "Steuerzahler" wahlweise be- oder entlastet, je nach dem, wie im Regierungsviertel der Wurstwind steht.

Was ist denn sonst so passiert?

Initial Code Release for Taro Protocol: Building the (Tap)Root of the World’s Financial Network with Bitcoin
A Taproot-powered protocol for issuing assets that can be transferred over bitcoin and in the future, the Lightning Network for instant, high volume, low fee transactions.

In den Ausgaben #12 und #13 haben wir uns tiefer mit den verschiedenen Layer 2 Applikationen bei Bitcoin beschĂ€ftigt. Taro habe ich in diesem Zuge ganz kurz angerissen und als Protokoll zum Herausgeben von Assets (bekanntestes Beispiel Smart Contracts oder NFTs) auf Basis von Bitcoin vorgestellt. Nun ist die erste Version des schon seit mehreren Wochen besprochenen Protokolls fĂŒr Entwickler veröffentlicht worden. Langsam aber sicher klaubt sich Bitcoin mit Hilfe von L2 und L3 Protokollen die Anwendungsbereiche wieder, deren einziger Gegenstand vielen Nicht-so-gute-Coins zugrunde liegt (wir versuchen gerade unseren Kindern beizubringen, dass Scheiße bzw. Shit "Nicht-so-gut" heißt).

Grayscale’s GBTC Discount to NAV Breaks Records as Spread Widens by More Than 35% – Bitcoin News
Grayscale’s GBTC has dropped to a new low this week as the bitcoin fund tapped a record 35.18% low against bitcoin spot prices.
https://archive.ph/sTk09

Wer Zugang zu Anlagevehikeln wie GBTC hat, sollte sich gerade grĂŒndlich Gedanken machen, ob ein 35%er Abschlag auf den Spotpreis nicht das Risiko wert ist, fĂŒr eine Weile lĂ€nger nicht verkaufen zu können. Die ModalitĂ€ten sollten aus Ausgabe #7 bekannt sein. Spannend.

Microstrategy Is Seeking a Full-Time Lightning Network Engineer to Build a SaaS Platform – Bitcoin News
According to a recent job listing, Microstrategy is seeking a full-time Bitcoin Lightning Network software engineer.
https://archive.ph/iSEx4

Ein bisschen mehr ĂŒber MicroStrategy, unserer Lieblingsfirma, deren Produkte wir alle nicht kaufen, in der News Section, und spĂ€ter noch im Candy Bereich. Lightning ist auf dem Vormarsch. GefĂŒhlt - also subjektiv - lese ich mittlerweile genauso viele Artikel ĂŒber Lightning, wie ĂŒber Bitcoin als Baselayer. Die Anwendungsbeispiele sind unendlich und, dass MSTR einen Vollzeit-Entwickler einstellt, sind nur bullische Anzeichen dafĂŒr, dass ĂŒber Investments hinaus auch tatsĂ€chliche Anwendungen im Angebotsrepertoire von MSTR mit Hilfe von Lightning entstehen.

Jetzt ein kurzer Blick unter die Motorhaube.

NatĂŒrlich ist die leichte Entkopplung von Bitcoin im Vergleich zu anderen Risikoanlagen ein großer Vertrauensbeweis, aber auch Vorschuss. In der letzten Woche hat sich Bitcoin wirklich hervorgetan und Aktien stark ĂŒbertroffen. Aktien sind teilweise dramatisch gesunken, wĂ€hrend Bitcoin fast stoisch seitwĂ€rts handelt. Dies kann man als geneigter Optimist vielleicht sogar als Zeichen dafĂŒr werten, dass die Talsohle erreicht ist.

Realized Price

Realized Price = Realized Cap / Anzahl der bitcoins im Umlauf. Realized Cap, also eine realistischere Sicht auf die Marktkapitalisierung, wird wiederum berechnet, indem jedem UTXO der letzte Wert zugeschrieben wird. Ist die Market Value to Realized Value (MVRV) <1 heißt dies, dass der durchschnittliche Bitcoin Investor unter Wasser ist.
via CryptoQuant.com

Der MVRV liegt mit 0,95 immer noch knapp unter 1. Das AufwĂ€rtsmomentum ist allerdings stark und hoffentlich lĂ€sst sich an dieser Stelle nĂ€chste Woche eine erfreuliche Nachricht verkĂŒnden.

Hashpreis / Difficulty

Hashpreis = Bitcoin Preis / Hashrate. Der von Minern generierte Umsatz pro Tera-Hash. Difficulty ist die mathematisch Schwierigkeit, die eine Blockzeit von ca. 10 Minuten erzeugt.

Die Hashrate verbucht trotz des derzeit stagnierenden Bitcoin-Preises fast wöchentlich neue ATHs. Dies deutet darauf hin, dass es dem Mining-Sektor gut geht und Investoren und andere Geldgeber ein relativ geringes Risiko auf dem Markt wahrnehmen. Minern gelingt es darĂŒber hinaus, Fremdkapital aufzutreiben, um bitcoins nicht verkaufen zu mĂŒssen.

HODL-Waves

HODL-Waves zeigen den Prozentsatz der vorhandenen bitcoins, die zuletzt innerhalb eines bestimmten Zeitraums bewegt wurden.
via Glassnode.com

Historisch gesehen bewegen sich bitcoins wĂ€hrend BullenmĂ€rkten am wenigsten. Ein steigender Kurs geht einher mit steigendem Vertrauen und Überzeugung. BullenmĂ€rkte sorgen eher dafĂŒr, dass neue Marktteilnehmer hinzukommen und Coins werden hin und her bewegt, aber selten verkauft. Bei BĂ€renmĂ€rkten ist das Gegenteil der Fall. Umso verblĂŒffender und positiv sind die Nachrichten, dass fast 62% der bitcoins im Netzwerk seit ĂŒber einem Jahr unbewegt blieben. Diese HODLer haben den Preissturz vom ATH von ca. 67.500 bis auf unter 20.000 (was einem RĂŒckgang von ĂŒber 72% entspricht) mitgemacht und nicht verkauft.

Lightning Network Capacity

Heute stelle ich eine neue Metrik vor, die ich zeitweise verfolge. Dieses Diagramm zeigt die kumulierte KapazitÀt aller Nodes im Lightning-Netzwerk. Wie man sehen kann ist die LN-KapazitÀt explodiert! Mittlerweile befinden sich fast 5.000 bitcoins in Channels.

// Meat đŸ„©

BeschĂ€ftigt sich die deutsche Politik mit Bitcoin? Es ist nicht ganz leicht diese Frage mit ja oder nein zu beantworten, da es innerhalb der verschiedenen Parteien, aber auch der LĂ€nder- und Bundesregierung kleine und grĂ¶ĂŸere Gruppen, sogenannte Arbeitsgruppen und Task-Forces, gibt, die sich mit speziellen Themen befassen. Um einen ersten Überblick zu erhalten habe ich mir die Regierungsprogramme der großen Parteien der Bundestagswahl im Herbst 2021, den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung und die Strategiepapiere der Superministerien angeschaut. Ohne die Spannung vorwegnehmen zu wollen, es ist ernĂŒchternd.

SPD Regierungsprogramm

Nix! Weder Bitcoin, noch Blockchain oder KryptowÀhrungen werden erwÀhnt.

CDU/CSU Regierungsprogramm

Der Begriff Blockchain kommt hier immerhin 6 mal vor. Die CDU/CSU möchte "wichtigen industriellen Zukunftsfeldern" einen Platz in Europa bieten und Deutschland dabei zu einer "Hochburg" fĂŒr diese Technologien entwickeln. Des Weiteren verweist die CDU/CSU hier auf die Blockchain-Strategie, die wir spĂ€ter noch nĂ€her betrachten. Von Bitcoin im Speziellen oder KryptowĂ€hrungen im Allgemeinen ist an keiner Stelle die Rede.

FDP Regierungsprogramm

Auch die FDP nĂ€hert sich dem Thema Blockchain wage an und erwĂ€hnt diese 2 mal in ihrem Programm. Auch das Thema KryptowĂ€hrungen wird besprochen und zumindest in einem positiven Kontext "begrĂŒĂŸt". Konkrete Schritte oder PlĂ€ne werden nicht erlĂ€utert.

Wir begrĂŒĂŸen zudem alternative Tauschmittel wie KryptowĂ€hrungen auf Blockchain sowie anderen Basen und wollen die Schaffung eines verlĂ€sslichen rechtlichen Rahmens fördern und weiterentwickeln.

GrĂŒnen Regierungsprogramm

Jetzt wird es schwierig. Die GrĂŒnen sind pro einer Euro-CBDC der EZB, da sie meinen, dass diese Rechtssicherheit fĂŒr Verbraucher//innen schafft. In Ausgabe #5 haben wir schon besprochen, dass CBDCs Zentralbankgeld darstellen und die Zentralbanken Konten direkt verwalten. Die Einzigen, die Rechtssicherheit erhalten, sind die Zentralbanken und durch Erweiterung der Staat. Denn CBDCs sind - anders als Bargeld - programmiertes und transparentes Geld, mit dem  sich die Herkunft somit alle historischen Daten sowie Daten ĂŒber den Verwendungszweck nachvollziehen lassen.

Weiter setzen die GrĂŒnen den Gebrauch von KryptowĂ€hrungen mit GeldwĂ€sche, Kinderpornografie, Steuerhinterziehung und Terrorfinanzierung gleich. Das lassen wir mal unkommentiert so stehen.

Wir befĂŒrworten die Initiative der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB), einen digitalen Euro zu schaffen. Sie gewĂ€hrleistet dabei Daten- und Rechtssicherheit fĂŒr Verbraucher*innen und Unternehmen und erhöht die Effizienz der Euro-Transaktionen. [...] Bei allen digitalen Zahlungen und KryptowĂ€hrungen mĂŒssen die tatsĂ€chlichen wirtschaftlich Berechtigten analog zu Regelungen beim Bargeld ab einer gewissen Schwelle ermittelt werden. Zur BekĂ€mpfung von Verbrechen wie GeldwĂ€sche, Darstellung sexualisierter Gewalt gegen Kinder, Steuerhinterziehung und TerrorFinanzierung braucht es auch fĂŒr den Bereich des digitalen Bezahlens klare Regeln. Bestehende Kooperationspflichten von Kryptotauschbörsen wollen wir erweitern und Ermittlungsbehörden angemessen in diesem Bereich schulen. Wir wollen den rasanten Entwicklungen im Bereich dezentraler Finanzanwendungen gerecht werden und die Chancen und Risiken von KryptowĂ€hrungen und Blockchains differenziert ausloten.

Insgesamt werden KryptowĂ€hrungen in einem sehr negativ gefĂ€rbten Licht dargestellt. Kurzfassung: CBDCs und damit staatliche Kontrolle top! KryptowĂ€hrungen und Kryptotauschbörsen kriminell und zu wenig reguliert! Achja, aber Blockchain als Technologie "loten wir aus". Haben wir noch was vergessen? Stimmt, mehr Steuern! Denn wie wir letzte Woche gesehen haben, sind Gewinne aus der VerĂ€ußerung von virtuellen WĂ€hrung steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mindestens 12 Monate liegen. Diese Regel wollen die GrĂŒnen abschaffen und alle Transkationen besteuern.

Auch werden wir die Steuerfreiheit fĂŒr andere VerĂ€ußerungsgewinne, beispielsweise beim Handel mit Edelmetallen, Rohstoffen oder Kryptowerten, abschaffen.

Linkspartei Regierungsprogramm

Bei der Linkspartei wird die Technologie Blockchain erst gar nicht erwĂ€hnt, allerdings wird von Kryptotechnologie gesprochen, und wie soll es auch anders sein, sollen Zahlungen mit dieser Technologie besser beaufsichtigt werden. Als einzige Partei befasst sich die Linkspartei auch mit dem Thema Mining. Dieses ist deren Ansicht nach energie- und ressourcenverschwendend und muss deshalb verboten werden. Wenn mich eine Sache wundert, dann dass ich diesen Absatz in diesem und nicht im Regierungsprogramm der GrĂŒnen gefunden habe.

Die AntigeldwĂ€scheeinheit des Zolls (FIU) hat im Kampf gegen GeldwĂ€sche versagt und verfĂŒgt nicht ĂŒber kriminalistisch geschultes Personal. Wir brauchen eine stĂ€rkere Einbeziehung der KriminalĂ€mter in die Analyse von GeldwĂ€scheverdachtsmeldungen. Insbesondere der Immobilien- bzw. Nichtfinanzsektor sowie die neuen Fintech-Unternehmen, die Zahlungen im Internet abwickeln oder Kryptotechnologie nutzen, mĂŒssen besser beaufsichtigt werden.
Wir streben ein Verbot der energie- und ressourcenverschwendenden Erzeugung sogenannter KryptowÀhrungen an.

Wie wir alle wissen, haben SPD, GrĂŒne und FDP als Koalition die Wahl fĂŒr sich entscheiden können und so musste aus den Regierungsprogrammen der drei Parteien ein Koalitionsvertrag geschaffen werden. Welche der Forderungen aus den Programmen ĂŒbernommen und in den Vertrag eingebaut wurden, schauen wir uns als nĂ€chstes an.

Koalitionsvertrag zwischen SPD, GrĂŒnen und FDP

GĂ€nzlich neu und in keinem der Programme zu finden, ist der Ansatz der neuen Regierung, den veralteten und sehr mĂŒhseligen Ablauf beim Erwerb von Immobilien mit Hilfe eines "Grundbuches auf der Blockchain" zu prĂŒfen. Dies ist ein persönliches Reizthema fĂŒr mich und etwas, das ich schon seit Jahren fordere. Ich bin also sehr dafĂŒr.

Wir geben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag um zu untersuchen, ob ein Grundbuch auf der Blockchain möglich und vorteilhaft ist.

Außerdem will die Regierung die Blockchain dazu nutzen, um Cum-Ex Ă€hnliche GeschĂ€fte zu verhindern. Ich finde es beachtlich, dass das Thema Blockchain zumindest ErwĂ€hnung findet und darĂŒber hinaus handfeste Anwendungsbereiche geschaffen wurden. Ob diese tatsĂ€chlich Umsetzung finden wird, bleibt abzuwarten.

Aufbauend auf den Maßnahmen der letzten Legislaturperiode werden wir alles dafĂŒr tun, missbrĂ€uchliche DividendenarbitragegeschĂ€fte zu unterbinden. Um dies betrugssicher sicher zu stellen, wollen wir neue technische Möglichkeiten, z. B. Blockchain, noch stĂ€rker nutzen.

Der positive Ton gegenĂŒber dem Thema Blockchain und digitalen Finanzdienstleistungen (ich begrĂŒĂŸe, dass KryptowĂ€hrungen als Begriff ersetzt wurde) scheint es aus dem Programm der FDP in den Vertrag hinĂŒber geschafft zu haben. Die Regierung öffnet sich dem Thema, will den finanziellen, rechtlichen und regulatorischen Rahmen schaffen, um Deutschland zu einem der fĂŒhrenden Standorte machen und schlĂ€gt proaktiv Anwendungsbeispiele, wie z.B. die Emission elektronischer Wertpapiere, vor.

FĂŒr FinTechs, InsurTechs, Plattformen, NeoBroker und alle weiteren Ideengeber soll Deutschland einer der fĂŒhrenden Standorte innerhalb Europas werden. Es gilt, die mit den neuen Technologien, wie z. B. Blockchain, verbundenen Chancen zu nutzen, Risiken zu identifizieren und einen angemessenen regulatorischen Rahmen schaffen. Wir werden deshalb fĂŒr effektive und zĂŒgige Genehmigungsverfahren fĂŒr FinTechs sorgen. Digitale Finanzdienstleistungen sollten ohne MedienbrĂŒche funktionieren; dafĂŒr werden wir den Rechtsrahmen schaffen und die Möglichkeit zur Emission elektronischer Wertpapiere auch auf Aktien ausweiten.

Im nĂ€chsten Absatz wird ein konkreter Ansatz zur Regulierung des Kryptobereichs durch die EU (MiCA) vorgestellt und zugleich der Standort Deutschland als gerechter und wettbewerbsfreundlicher Finanzplatz fĂŒr Digitalunternehmen verteidigt. Die gesamte Formulierung wirkt auf mich sehr FDP-getrieben und scheint grĂ¶ĂŸtenteils durch die Verantwortlichen der Liberalen nach vorne gebracht worden zu sein.

Wir brauchen eine neue Dynamik gegenĂŒber den Chancen und Risiken aus neuen Finanzinnovationen, Kryptoassets und GeschĂ€ftsmodellen. Wir setzen uns fĂŒr ein Level-PlayingField mit gleichen Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU, zwischen traditionellen und innovativen GeschĂ€ftsmodellen und gegenĂŒber großen Digitalunternehmen ein. Das europĂ€ische Finanzmarktaufsichtsrecht machen wir fit fĂŒr die Digitalisierung und fĂŒr komplexe Konzernstrukturen, um eine ganzheitliche und risikoadĂ€quate Aufsicht ĂŒber neue GeschĂ€ftsmodelle sicherzustellen. Wir brauchen fĂŒr den Kryptobereich eine gemeinsame europĂ€ische Aufsicht. Wir verpflichten Kryptoassetdienstleister zur konsequenten Identifikation der wirtschaftlich Berechtigten.

Und dann durften die GrĂŒnen auch noch einen Absatz aus ihrem Programm unterbringen (immerhin keine Kinderpornografie):

Die EU-Aufsichtsbehörde soll sich nicht nur um den klassischen Finanzsektor kĂŒmmern, sondern auch den Missbrauch von Kryptowerten fĂŒr GeldwĂ€sche und Terrorismusfinanzierung verhindern.

Wie werden also die Ideen und AnsĂ€tze des Koalitionsvertrages in der Praxis umgesetzt? Die Bundesfinanz- und Wirtschaftsministerien haben eine "Blockchain-Strategie der Bundesregierung" verfasst, in der grĂŒndlich alle möglichen Konzepte vermischt werden:

Der bekannteste – bei Weitem nicht einzige – Anwendungsfall ist die KryptowĂ€hrung Bitcoin. Mit dem sprunghaften Anstieg der Kurse von KryptowĂ€hrungen und der neuartigen Finanzierungsform sogenannter Initial Coin Offerings (ICOs) wuchs das öffentliche Interesse an der Blockchain-Technologie. Zugleich wuchs mit dem Handel von Bitcoin der damit verbundene Stromverbrauch massiv. In letzter Zeit kommen AnwendungsfĂ€lle jenseits von KryptowĂ€hrungen mehr und mehr in den Fokus.

ZunĂ€chst wird Bitcoin als KryptowĂ€hrung betitelt, aber das ist nicht das grĂ¶ĂŸte Problem, denn diese Debatte wird ja zur Zeit noch gefĂŒhrt und das Unterscheiden von Bitcoin und anderen "KryptowĂ€hrungen" wird ein Kampf sein, der noch fĂŒr eine Weile gekĂ€mpft werden wird. Allerdings wird im zweiten Satz gleich auf ICOs verwiesen, welche mit Bitcoin ĂŒberhaupt nichts zu tun haben, um dann wieder auf das Thema Bitcoin zurĂŒckzuspringen und das beliebte Stromverbrauch-FUD-Narrativ aufzugreifen (das BMWK - also das Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Klimaschutz vereint unter Robert H. ja jetzt zwei Kompetenzbereiche, da darf der Verweis auf Klimaschutz natĂŒrlich nicht fehlen 😙).

Kurzer Schwenker zum Thema Energie- und Klimaschutz-FUD. Das betrifft nicht direkt das Kernthema dieser Ausgabe, scheint aber das Lieblingsthema der Politiker zu sein, wenn es um Bitcoin geht (oder Joe?). Sogar die FT hat kĂŒrzlich eine Kolumne veröffentlicht, die sich "kritisch" mit Bitcoin auseinandersetzt und vielen objektiv falschen Narrativen auf den Leim geht. Der Artikel ist als Archiv verlinkt:

Subscribe to read | Financial Times
News, analysis and comment from the Financial Times, the worldÊŒs leading global business publication
https://archive.ph/4AD1L

Um die Argumente gegen die Kritiker (z.B. FT Kolumnistin Jemima Kelly) kurz zu halten: Der letzte Bericht des Bitcoin Mining Councils (Juli) zeigt auf, dass 59,5% der fĂŒr Bitcoin-Mining aufgebrachten Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, und dass Bitcoin zwar 0,15% der weltweit produzierten Energie verbraucht, diese jedoch fĂŒr nur 0,086% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist.

Eine positive Studie ĂŒber Mining herausgegeben von Minern - shocking 😋

Hinzu kommt, dass Bitcoin-Mining in den nĂ€chsten Jahren energieeffizienter wird, da Mining sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit dem Energiesektor annĂ€hert. Dies wird zu einer exponentiellen Steigerung von Innovationen fĂŒhren, die sowohl Bitcoin mittelfristig weiter dekarbonisieren, aber auch die zunehmend erneuerbaren Netze verbessern wird.

ZurĂŒck zur Politik und der Blockchain-Strategie der Bundesregierung. An anderer Stelle wird vom Blockchain-Whitepaper gesprochen und dann auf das Bitcoin Whitepaper von Satoshi verwiesen. Bis auf eine weitere ErwĂ€hnung zur Einordnung von Bitcoin als KryptowĂ€hrung wird Bitcoin selbst auf den gesamten 24 Seiten der Veröffentlichung nicht mehr erwĂ€hnt. Wie man sehen kann, wird hier Einiges durcheinandergeworfen und viele Konzepte scheinen den Autoren noch nicht ganz klar zu sein.

Es sei der aktuellen Startelf des BMWK und BMF zugute gehalten, dass dieses Strategiepapier schon im Septemeber 2019 erschienen, und damit der VorgĂ€ngerregierung zuzuschreiben ist (siehe Parteiprogramm CDU/CSU, die sich hierauf berufen), dennoch stĂŒtzen sich sĂ€mtliche aktuellen Publikationen und Zielsetzungen der aktuellen Regierung auf diese Strategie und wurden dementsprechen sicherlich eingehend geprĂŒft, auf Korrektheit kontrolliert und inhaltlich begutachtet (ODER?). Oder ist die Strategie schlichtweg vergessen worden, und durch die "Digitalstrategie" des Bundesministerium fĂŒr Digitales und Verkehr (wieder zwei clever kombinierte Kompetenzbereiche) ersetzt worden? Begriffe wie Blockchain oder Bitcoin kommen in diesem Strategiepapier des BMVI nĂ€mlich gar nicht mehr vor đŸ€”Nur der Begriff Krypto wird hier (natĂŒrlich mit Verweis auf Nachhaltigkeit und Rechtssicherheit) kurz erwĂ€hnt:

Wir wollen den Standort Deutschland im Bereich der Finanzinnovationen und Krypto-Token weiter stĂ€rken. Dazu braucht es weiter klare und rechtssichere Steuerregeln, um Entwicklungen nicht zu behindern. Wir wollen die Finanzaufsicht weiter darin bestĂ€rken, neue, innovative GeschĂ€ftsmodelle auch bei komplexen Strukturen zu durchdringen. Wir setzen uns fĂŒr eine europĂ€ische Aufsicht im Kryptobereich ein, um innerhalb Europas einheitliche Standards auch unter BerĂŒcksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten zu fördern. [...] Den schnell wachsenden ökologischen Fußabdruck von digitalen Technologien wie z.B. von bestimmten Kryptowerten wollen wir monitoren und weitere Maßnahmen zur Reduktion ausarbeiten.

Das Fehlen von Blockchain und Bitcoin in dieser Strategie kann darauf zurĂŒckgefĂŒhrt werden, dass weder in den jeweiligen Parteien, noch auf Ebene der Bundesregierung engagierte Fachpersonen zugegen sind, die das Thema vorantreiben wollen. Das Thema Blockchain wird hier, wenn ĂŒberhaupt, ehrenamtlichen Interessenvertretern, Vereinen und Vertretern von Start-ups im Blockchain-Bereich reprĂ€sentiert. So gibt es z.B. den sogenannten Bundesblock (Blockchain Bundesverband), der thematisch aber scheinbar absichtlich von Bitcoin abrĂŒckt und sich mit anderen AnwendungsfĂ€llen der Blockchain, wie DAOs (Decentralized Autonomous Organization), SSI (Self Sovereign Identity), Steuern, sogar NFTs und dem Metaverse beschĂ€ftigt. Die Regierung selbst scheint insgesamt wenig zu dem Thema beitragen zu wollen.


// Wrap 🌯

Das oben aufgezeigte ist eine kurze Übersicht des Ist-Zustands. Das Thema Bitcoin scheint in der deutschen Politik noch ĂŒberhaupt nicht angekommen zu sein, entweder, weil die EinstiegshĂŒrde zu hoch ist, oder weil das Thema fĂŒr die meisten AmtstrĂ€ger einfach noch keinen großen Stellenwert besitzt. Was auch immer der Grund fĂŒr die Nichtbeachtung ist, es bleibt abzuwarten, ob die Regierung ihre PrioritĂ€ten falsch setzt und die wichtigste Erfindung seit dem Internet (wieder mal) verpasst, oder ob nach außen hin eine scheinheilige Nichtbeachtung suggeriert wird, wĂ€hrend man sich an anderer Stelle detailliert mit dem Thema auseinandersetzt.

Da zumindest die EZB mit Hinblick auf CBDCs aktiv im Bereich der Digital Assets "forscht", sollte die Bundesregierung mindestens auf dem gleichen Erkenntnisstand bleiben, um etwaigen VorstĂ¶ĂŸen mit Wissen und Kompetenz entgegentreten zu können. Die Nichtbeachtung von Seiten der Parteien ist fahrlĂ€ssig, öffnet aber - gerade in einem Vielparteiensystem wie Deutschland - sogar TĂŒren, um vielleicht eine Gruppierung zu grĂŒnden, die sich dem Thema, mit Sachverstand und Ahnung, annimmt. Das wĂ€re ein schönes Thema fĂŒr eine zukĂŒnftige Ausgabe.


// Candy 🍭

BitcoinTreasuries.NET
Bitcoin Treasuries in Publicly Traded and Private entities - List of large holders

Bitcointreasuries.net ist eine Webseite, die Informationen darĂŒber liefert, welche börsennotierten und andere große Unternehmen Bitcoin in ihrer Bilanz halten. Die Unternehmen werden nach Anzahl von gehaltenen bitcoins gerankt, die Top 10 (unten) zeigt, dass 6 der Unternehmen in den USA đŸ‡ș🇾, 3 in Kanada 🇹🇩 und 1 in Deutschland đŸ‡©đŸ‡Ș (Bitcoin Group SE) beheimatet sind. Wenig ĂŒberraschend ist MicroStrategy mit 130.000 bitcoins auf Platz 1.

NameMarket CapBitcoinCurrent ValueNgU/M.Cap/21M
 Microstrategy, Inc.$2,658.71M₿ 130,000$2,617.81M0.66x98.46%0.619%
 Marathon Digital Holdings$1,454.28M₿ 10,055$202.48M—13.92%0.048%
 Tesla, Inc. đŸ„Ź 🙌$781,612.74M₿ 9,720$195.73M0.58x0.03%0.046%
 Block, Inc.$36,834.00M₿ 8,027$161.64M0.73x0.44%0.038%
 Hut 8 Mining Corp$408.63M₿ 7,406$149.13M—36.50%0.035%
 Riot Blockchain, Inc.$1,143.56M₿ 6,536$131.62M2.21x11.51%0.031%
 Coinbase Global, Inc.$19,511.55M₿ 4,487$90.35M—0.46%0.021%
 Hive Blockchain$326.29M₿ 4,032$81.19M—24.88%0.019%
 Galaxy Digital Holdings$1,585.03M₿ 4,000$80.55M—5.08%0.019%
 Bitcoin Group SE$100.20M₿ 3,673$73.96M—73.82%0.017%

Twitter Account der Woche:

MAX BIDDING

with help from SF

Super viele Referenzen auf vorangegangene Ausgaben diesmal. FĂŒhlt sich an, wie sich selbst zu zitieren.

In diesem Sinne, 2... 1... Risiko!‌

Sven